Zone 2 Training Rennrad erklärt: Herzfrequenzzonen, Beispiele und Trainingsplan

Zone 2 Training auf dem Rennrad klingt erstmal nach „zu locker, um zu bringen“ – in Wahrheit ist es die Basis, auf der fast alle starken Ausdauerleistungen aufbauen. In diesem Artikel erfährst du, warum gezieltes Zone 2 Training auf dem Rennrad deine Grundlagenausdauer massiv verbessert, wie du deine richtige Herzfrequenz-Zone findest und wie ein einfacher Trainingsplan mit ruhigen, aber extrem wirksamen Einheiten aussehen kann.

Benjamin-Binder-von-Rennradguru.de
Veröffentlicht am 28. November 2025
Zone-2-Training auf dem Rennrad

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Rennrad · Trainingslehre

Zone 2 Training auf dem Rennrad: warum alle drüber reden und wie du startest

Zone 2 klingt nach „langsam rumrollen“, ist aber einer der stärksten Hebel für deine Grundlagenausdauer. Hier erfährst du, was dahinter steckt, wie du deine Zone 2 findest und wie du mit einem klaren Plan in die ersten Wochen einsteigst.

Zone 2 Training auf dem Rennrad ist in den letzten Jahren vom Geheimtipp zum festen Bestandteil vieler Trainingspläne geworden. Trainer, Profis und ambitionierte Hobbysportler sprechen von Grundlagenausdauer, aerober Kapazität und langen, kontrolliert lockeren Einheiten. Dahinter steckt kein Hype, sondern ein solides physiologisches Fundament. Wenn du langfristig schneller und ausdauernder fahren möchtest, ohne nach jeder Einheit komplett platt zu sein, führt an bewusst geplantem Zone 2 Training kaum ein Weg vorbei.

Verhältnis Trainingsumfang In vielen Ausdauer-Konzepten landen etwa 70–80 % der Jahreskilometer im Bereich der lockeren Grundlagenausdauer, also grob in Zone 2. Der restliche Anteil sind wirklich harte, kurze Einheiten. Genau an dieser Verteilung orientiert sich ein durchdachter Rennrad-Trainingsplan.
Zone 1 (sehr locker)
≈ 15 %
Zone 2 (Basis)
≈ 70 %
Zone 3–5 (intensiv)
≈ 15 %

Was Zone 2 Training auf dem Rennrad eigentlich bedeutet

Zone 2 bezeichnet einen Belastungsbereich, in dem dein Körper überwiegend aerob arbeitet, also mit ausreichend Sauerstoff. Du fährst angenehm locker, kannst dich unterhalten, atmest etwas tiefer, aber nicht hektisch. Typischerweise entspricht dieser Bereich ungefähr 60 bis 75 Prozent deiner maximalen Herzfrequenz oder rund 60 bis 70 Prozent deiner FTP, wenn du mit Leistung in Watt trainierst. Für viele Rennrad-Anfänger fühlt sich das anfangs fast zu langsam an, weil sie von Gruppenausfahrten und Alltagsstress gewohnt sind, permanent knapp unter der roten Linie zu fahren.

Genau darin liegt der Reiz von Zone 2: Die Intensität ist niedrig genug, um lange durchzuhalten, gleichzeitig jedoch hoch genug, um deine Grundlagenausdauer sehr gezielt zu verbessern, ohne dich ständig zu überlasten.

Trainingszonen nach Herzfrequenz und Gefühl
Schnelle Orientierung für deinen Alltag auf dem Rad
Zone Richtwert Herzfrequenz Gefühl auf dem Rad
Zone 1 bis ca. 60 % HFmax sehr locker, fast wie Spazieren
Zone 2 ca. 60–75 % HFmax locker, du kannst problemlos Sätze sprechen
Zone 3 ca. 75–82 % HFmax spürbar anstrengend, Gespräch nur noch in kurzen Sätzen möglich
Zone 4 ca. 82–90 % HFmax hart, du bist klar am Arbeiten, Reden fällt schwer
Zone 5 über 90 % HFmax sehr hart, nur kurze Intervalle möglich, kaum noch Worte machbar

Als einfache Faustregel kannst du dir merken, dass du in Zone 2 bist, wenn du dich während der Ausfahrt entspannt unterhalten kannst, ohne nach Luft zu schnappen. Wenn du nur noch einzelne Wörter herausbekommst, bist du deutlich über deiner Zielzone und bewegst dich eher in Richtung intensiver Intervalle (Zone 4/5).

Warum Zone 2 Training deine Grundlagenausdauer so stark verbessert

Der große Vorteil von Zone 2 Training liegt darin, dass dein Körper viele saubere, wiederholbare Reize bekommt, ohne in jedem Training an die maximale Grenze gedrückt zu werden. In diesem Bereich verbessert sich dein Herz-Kreislauf-System, die Kapillardichte in der Muskulatur nimmt zu, die Mitochondrien werden leistungsfähiger und dein Fettstoffwechsel wird effizienter. Genau diese Anpassungen brauchst du, um lange Distanzen entspannt zu fahren, Anstiege stabil hochzuklettern und auch nach mehreren Stunden noch Druck auf die Pedale zu bringen.

Praxis-Beispiel über 12 Wochen Viele Hobbysportler sehen nach 10–12 Wochen strukturiertem Zone 2 Training auf ihrer Standardrunde eine um 5–10 % höhere Durchschnittsgeschwindigkeit bei zugleich um 3–5 Schläge niedrigerer durchschnittlicher Herzfrequenz. Die exakten Werte sind individuell, das Muster – mehr Tempo bei weniger Stress – ist erstaunlich konstant.
Typische Anpassungen durch viel Zone 2
Ausdauer (lang)
hoch
Fettstoffwechsel
hoch
Erholung nach Belastung
mittel–hoch
Mögliche Nachteile, wenn du nur Zone 2 fährst und intensive Reize komplett weglässt:
Sprintfähigkeit
weniger Explosivität
max. VO₂-Spitzen
VO₂-Plateau
Race-Punch (kurz, hart)
weniger Punch

Heißt übersetzt: Zone 2 macht deine Basis stark. Wenn du zusätzlich schnelle Gruppenfahrten, Sprints oder Intervallblöcke ergänzt, bekommst du das Beste aus beiden Welten – starke Ausdauer und genug Punch für harte Momente.

Wie du deine persönliche Zone 2 findest

Damit dein Zone 2 Training auf dem Rennrad wirklich gezielt wirkt, solltest du ungefähr wissen, wo dieser Bereich bei dir liegt. Die einfachste Methode führt über deine maximale Herzfrequenz. Wenn du eine grobe HFmax kennst, kannst du Zone 2 als Bereich zwischen etwa 60 und 75 Prozent davon abschätzen. Präziser wird es mit Leistungsdiagnostik oder FTP-Test, aber für den Einstieg reicht die Herzfrequenz als Orientierung völlig aus.

Zone 2 Spanne in Abhängigkeit von HFmax
Richtwerte als Rahmen, keine harten Grenzen
HFmax Zone-2-Spanne (ca. 60–75 % HFmax)
180 bpm 108–135 bpm
190 bpm 114–143 bpm
200 bpm 120–150 bpm
Tagesform, Schlaf, Koffein, Stress und Temperatur verschieben deine echte Zone 2 spürbar. Nutze die Zahlen als Startpunkt und justiere mit deinem Körpergefühl nach.

Zone 2 liegt oft deutlich niedriger, als viele im Alltag fahren. Entscheidend ist, Zahlen und Gefühl zu kombinieren. Wenn sich ein eigentlich passender Puls an einem Tag sehr hart anfühlt, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Signal, das Tempo anzupassen.

So startest du praktisch mit Zone 2 Training auf deinem Fahrrad

Der Einstieg in Zone 2 ist unkompliziert. Du brauchst kein Highend-Powermeter – ein Herzfrequenzgurt und etwas Konsequenz reichen. Plane zwei bis drei Einheiten pro Woche, in denen du dir vornimmst, möglichst konsequent in deiner Zone 2 zu bleiben. Für Einsteiger sind 45–60 Minuten ein guter Start, fortgeschrittene Fahrerinnen und Fahrer peilen eher 90–150 Minuten pro Einheit an.

Beispielwoche mit Fokus auf Zone 2 Training
Drei Kerneinheiten als stabile Basis
Tag Einheit Zone
Dienstag 60–75 Minuten ruhige Ausfahrt überwiegend Zone 2
Donnerstag 90 Minuten locker mit ein paar kurzen Antritten Basis Zone 2, kurze Peaks
Sonntag 120 Minuten ruhige Grundlagenausdauer konstant Zone 2
Die übrigen Tage füllst du je nach Level mit Regeneration, Stabi, Krafttraining oder gezielten Intervallen.

Mit so einer Woche verschiebst du deinen Trainingsschwerpunkt automatisch Richtung Grundlagenausdauer. Viele merken schon nach wenigen Wochen, dass längere Ausfahrten leichter fallen und der Körper sich nach harten Einheiten schneller erholt.

Fortschritt messen: diese Zahlen zeigen dir, dass Zone 2 wirkt

Wenn du Statistiken liebst, ist Zone-2 Training ideal. Eine einfache Methode: Du fährst immer wieder dieselbe Runde in Zone 2 und beobachtest, wie sich Puls und Geschwindigkeit verändern. Sinkt die durchschnittliche Herzfrequenz, während dein Tempo steigt, ist das ein klares Zeichen für eine bessere Effizienz.

Beispiel: Entwicklung auf einer Pendelrunde
Zone 2 Fokus über mehrere Wochen
Zeitraum Durchschnittliche HF Durchschnittsgeschwindigkeit
Woche 1 145 bpm (Ausgangswert) 26,5 km/h
Woche 6 141 bpm ▼ −4 bpm 27,6 km/h ▲ +1,1 km/h
Woche 10 139 bpm ▼ −6 bpm 28,2 km/h ▲ +1,7 km/h
Typische Beobachtungen nach 8–12 Wochen Zone 2 Fokus sind eine um 3–6 bpm niedrigere Durchschnitts-Herzfrequenz auf Standardstrecken, eine um etwa 5–10 % höhere Geschwindigkeit bei gleicher HF und ein morgendlicher Ruhepuls, der um 2–4 Schläge sinkt. Einzelne Ausreißer sind normal – entscheidend ist der Trend über mehrere Wochen.

Fazit: warum du jetzt mit Zone 2 Training starten solltest

Zone 2 Training auf dem Rennrad ist kein magischer Trick, sondern ein klarer Ansatz, deine Grundlagenausdauer systematisch zu verbessern. Du fährst öfter locker, sammelst viele saubere Kilometer, entlastest dein Nervensystem und bereitest deinen Körper darauf vor, intensive Reize besser zu verkraften. Für Einsteiger ist Zone 2 ein idealer Start in einen strukturierten Trainingsplan, für erfahrene Fahrerinnen und Fahrer ist es der Baustein, der entscheidet, ob Intervalle wirklich Wirkung zeigen oder nur zusätzliche Müdigkeit erzeugen.

Wenn du Statistiken liebst, kannst du praktisch jede Einheit als kleine Studie betrachten und sehen, wie sich Herzfrequenz, Tempo, Leistung und Erholung entwickeln. Und wenn du einfach nur länger, entspannter und am Ende auch schneller Rennrad fahren möchtest, ist der nächste Schritt klar: Bau dir in den kommenden Wochen regelmäßig Zone 2 Einheiten ein, halte dein Tempo konsequent dort und schau zu, wie sich deine Zahlen langsam, aber deutlich nach oben entwickeln.

Zone 2 Training auswirkungen
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